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Seit August 2004 wird an unserer Schule das Programm FAUSTLOS unterrichtet. Dies ist ein – ursprünglich aus Amerika stammendes und auf den europäischen Raum übertragenes – speziell für die Grundschule entwickeltes Curriculum, das impulsives und aggressives Verhalten von 6- bis 10jährigen Kindern vermindern und ihre soziale Kompetenz erhöhen soll. Es wird in einer ganzen Klasse unterrichtet und wendet sich an alle Schüler dieser Klasse. Damit werden die Kinder, die durch Gewaltbereitschaft und Aggression auffallen, nicht ausgegrenzt oder stigmatisiert. Das Programm richtet sich aber auch an sozial unsichere und von Gleichaltrigen wenig beachtete Kinder, die in ihrer sozialen Entwicklung und Integration durch FAUSTLOS gefördert werden.
Das Programm wird von der 1. bis zur 3. Klasse unterrichtet. Aber auch in der 4. Klasse kann FAUSTLOS mit ausgewählten Lektionen und altersangemessenen Beispielen und Methoden weitergeführt werden. Sollte FAUSTLOS in der 4. Klasse vorher noch nicht eingeführt worden sein, können dann ohne weiteres die Lektionen aus der 3. Klasse unterrichtet werden.
In der Stundentafel der Grundschule ist das Curriculum im Sachunterricht (Lernfeld „Zusammenleben der Menschen“), im Deutschunterricht oder im Religionsunterricht (Themen: Miteinander leben, Streiten und sich vertragen, Freundschaft, Geborgenheit und Angst, Schuld und Vergebung) angesiedelt. Es wird in der Regel mit einer Stunde wöchentlich in einzelnen Lektionen unterrichtet. Das jeweilige Lernziel wird über eine Geschichte mit Diskussion und in weiterführenden Rollenspielen erarbeitet.
Warum FAUSTLOS?
Wir beobachten, dass Kinder immer häufiger durch impulsives oder aggressives Verhalten auffallen, sie andere Menschen physisch oder psychisch verletzen, Verletzungen androhen oder Gegenstände zerstören. Aggressives und gewaltbereites Verhalten entwickelt sich innerhalb eines Bedingungsgefüges, in dem die Familie, Peergroup, Schule und Gesellschaft in einem engen Wechselverhältnis stehen. Neben der Familie als der vorrangigen Sozialisationsinstanz kommt der Schule und anderen öffentlichen Erziehungseinrichtungen eine zentrale Bedeutung zu. Das wichtigste Ziel sozialer Erziehung in der Grundschule sollte es sein, dass Kinder lernen, wie sie eigenständig und unabhängig Probleme lösen können. Wenn sie die Erfahrung gemacht haben, dass sie ihre Umgebung positiv beeinflussen können, wird ihr Selbstbewusstsein gestärkt und es verändern sich unangemessene Verhaltensmuster. Außerdem wächst ihre Bereitschaft, kognitive Inhalte zu lernen.
Forschungsarbeiten über die frühen Anzeichen gewalttätigen Verhaltens bei Jugendlichen und Erwachsenen haben gezeigt, dass Defizite bei bestimmten Fähigkeiten mit für unangemessenes Verhalten verantwortlich sind. Diese Defizite sind auch im Erwachsenenalter mit antisozialem Verhalten verbunden.
Es handelt sich um einen Mangel an Empathie (Einfühlungsvermögen in andere Menschen und Situationen), Impulskontrolle, Problemlösungs- und Selbstbehauptungsfähigkeiten sowie fehlende Kompetenzen im Umgang mit Ärger und Wut. Hier setzt das Curriculum an und schult in drei aufeinander aufbauenden Einheiten Kompetenzen der Kinder.
Die Empathie als wichtigste Grundlage jedes Programms zur Vorbeugung von Gewalt und zur Steigerung der sozialen Kompetenz ist ein Bündel an Fähigkeiten und Fertigkeiten. Sie ist weder angeboren, geschlechtstypisch, noch eine bloße Tugend. Sie ist erlernbar. Mit den Lernzielen dieser Basiseinheit lernen die Kinder, sich mit der emotionalen Befindlichkeit einer anderen Person auseinander zu setzen und auch ihre Perspektive zu ergründen. Sie können Gefühle anderer Menschen einschätzen und lernen, dass sich Gefühle verändern können und dies auch mitgeteilt werden kann.
Die zweite Einheit Impulskontrolle untergliedert sich in individuelles kognitives Problemlösungsdenken (Was ist das Problem? Welche Lösungen gibt es? Ich entscheide mich für eine Lösung! Ich überprüfe die Lösung!) und das Training sozialer Verhaltensfertigkeiten (Ich kann Impulsen widerstehen: Ablenkungen, Störungen, Lügen, Stehlen; Ich kann mich entschuldigen; Ich mache nicht mit!).
In der Einheit Umgang mit Ärger und Wut werden die Auslöser von Ärger mit dem Gebrauch positiver Selbstverstärkungen (Nachdenken, Sich Beschweren, Selbstgespräche) mit Beruhigungstechniken verbunden (dreimal tief Luft holen, langsam rückwärts zählen, an etwas Schönes denken, Aus-Zeit nehmen). Wutanfälle können so verhindert werden und die Kinder erwerben die Kompetenz, über das Problem nachzudenken und es faustlos zu lösen.
Die drei aufeinander aufbauenden Strategien haben als Ziel, Kinder zu befähigen, Problemlösungen zu entwickeln, in denen es keine Verlierer gibt. Dies ist nur mit Sensibilität für die Gefühle anderer möglich. Um die Lösungsmöglichkeiten auch umsetzen zu können, braucht es Know-how: Was ist zu tun und wie lässt sich die Lösung realisieren.
Dies ist ein hoher Anspruch an das Programm und wir als Lehrerinnen und Lehrer der Grundschule Sittensen wünschen uns, dass uns das mit den Kindern unserer Schule gelingt.
Es ist ein gemeinsames Geben und Nehmen im Sinne eines humanen und friedlichen Miteinander aller Beteiligten: Der Schülerinnen und Schüler, der Elternschaft und der Lehrerinnen und Lehrer unserer Schule.
Für das Kollegium
Susanne Grupe |